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Der mentale Beratungsansatz
1. Definition und Selbstverständnis

Der Begriff "mental" stammt vom mittellateinischen "mentalis", was soviel bedeutet wie "geistig, in Gedanken, in der Vorstellung vorhanden". Demnach kann das Adjektiv "mental" alle Phänomene bezeichnen, die gedacht, in Gedanken bestehend oder vorgestellt im Menschen vorhanden sind, und genau diese Erscheinungsformen stehen im Mittelpunkt des mentalen Ansatzes in der Lebensberatung.

Der Fokus auf die mentalen Vorgänge im Menschen ist nicht neu. Bereits 1955 formulierte der amerikanische Psychologe Albert Ellis seine Hypothese, dass negative Einstellungen und Vorstellungen zu seelischen Störungen beitragen können und dass verändertes, modifiziertes Denken sie reduzieren kann. Er lieferte damit die Grundlage für die Rational-Emotive Therapie. Aaron T. Beck, der führende Vertreter der Kognitiven Therapie, konnte zeigen, dass die inneren Vorgänge und Selbstgespräche beeinflussbar sind und dass durch Erkenntnis und Übung neue Denkmuster erworben werden können. In einer kognitiven Therapie sollten Klienten sich ihrer inneren Denkweisen und Dialoge bewusst werden, um zu erkennen, wie sie sich durch ihre inneren Selbstgespräche positiv oder negativ beeinflussen und damit auch ihre Stimmungen und ihr Verhalten steuern.

Nicht nur Wörter und Dialoge zählen zu den inneren Vorgängen und Gedanken, sondern auch Bilder, die einen ebenso deutlichen wie nachhaltigen Einfluss auf das Fühlen und Verhalten des Menschen ausüben können. Schon für Carl Gustav Jung, dem Begründer der Analytischen Psychologie, waren Bilder eine Möglichkeit der Kommunikation zwischen dem Bewusstsein und dem sonst unzugänglichen Unbewussten. Für Jung schafft und "versteht" die Seele Bilder und Symbole. Zu den vielfältigen Wirkungen dieser Bilder gehört insbesondere, dass sie für das subjektive Wohlbefinden und für die Ganzwerdung der Person eine wichtige Bedeutung haben. Nach Jung hat gerade das vorgestellte, imaginierte Bild, welches durch unbewusste oder bewusste Fantasietätigkeit entsteht, eine besondere Funktion, weil es eine innere Wirklichkeit darstellt, die positive oder negative Wirkungen auf das Bewusstsein und das ganze Leben des Individuums haben kann.

Neben den verhaltenspsychologischen und den tiefenpsychologischen Aspekten, die dem mentalen Ansatz zu Grunde liegen, liefert auch die moderne Gehirnforschung interessante Beiträge zu den Wechselwirkungen zwischen kognitiven, emotionalen und biochemischen Prozessen im Menschen. Neurobiologen und Biochemiker konnten nachweisen, dass jeder Gedanke, jede Vorstellung, jedes Gefühl die Erzeugung einer spezifischen Kombination unterschiedlicher biochemischer Botenstoffe zur Folge haben, die ihrerseits, je nach vorhandener Konzentration, wiederum auf das emotionale und kognitive System des Menschen zurück wirken.Folglich sieht der mentale Beratungsansatz den Menschen ganzheitlich mit seinem Denken, seinem Fühlen und mit seinen biochemischen Körperprozessen. Er setzt mit seinen Interventionen und Strategien nachhaltige Impulse für die Veränderung von Denkweisen und Vorstellungen, die sich sowohl in der Veränderung von Emotionen und Stimmungen als auch in der Veränderung der biochemischen Situation des Körpers auswirken und zeigen.

Im Sinne eines humanistischen Welt- und Menschenbildes sieht der mentale Beratungsansatz den Menschen als frei in seinen eigenen Entscheidungs- und Entwicklungsmöglichkeiten an. Ein Mensch ist ausdrücklich nicht das Produkt seiner Umwelt, sondern kann aktiv auf seine eigenen Wahrnehmungen, Denkweisen und Verhaltensweisen Einfluss nehmen.

Der mentale Ansatz in der Lebensberatung orientiert sich nicht an einem spirituellen Menschenbild, das heißt, die spirituell-übersinnliche Entwicklung des Menschen ist nicht Gegenstand der Beratung.Ebenso fragt der mentale Beratungsansatz nicht nach Ursachen für ein bestimmtes Verhalten oder für bestimmte Stimmungen, sondern nach auslösenden und aufrechterhaltenden inneren Denkstrukturen, also nach Gedanken und Vorstellungsbildern. Es wird nicht das, was um den Menschen vorgeht - also das System - beleuchtet und analysiert, sondern die Auswahl der Interventionsmittel richtet sich ausschließlich nach dem, was im Menschen vorgeht.
So kann der mentale Ansatz in der Lebensberatung in erster Linie als "individuums-orientiert" gesehen werden, was natürlich eine Auswirkung auf das jeweils vorhandene System in der Folge nicht ausschließt.
2. Vorgangsweise und Beratungsablauf

Beratung im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet ein Gespräch mit einer Fachperson, in der Erwartung, dadurch mit eigenen aktuellen oder potentiellen Problemen besser umgehen zu können.

Die mentale Beratung bezieht sich, wie oben beschrieben, auf die Veränderung und Erweiterung der Denkweisen und Vorstellungen eines Menschen, was zumindest eine zeitlich mittelfristige Begleitung des Kunden notwendig macht. Die Vorgangsweise eines Beraters mit mentalem Ansatz lässt sich deshalb mit der Bezeichnung "Coaching" gut beschreiben, was im Englischen soviel wie "Kutsche fahren" bedeutet. Im übertragenen Sinne lenkt eben der "Coach" die Pferde, um seinen Fahrgast zum gewünschten Ziel zu bringen.

Dem Bild des Kutschers mit Fahrgast entspricht auch die Aufgabe des Coachs, die "Beratungsroute" möglichst durchschaubar zu gestalten. Zwar stellt der Mentalcoach sein Wissen zur Verfügung, doch soll auch der Kunde stets aktiv mitgestalten und beteiligt sein. Coach und Kunde analysieren gemeinsam die mentalen Problemanteile und legen das Coachingziel fest.

In acht bis sechzehn Coachingterminen - gewöhnlich im Wochenabstand - werden Strategien und Übungen erarbeitet oder vermittelt, die geeignet sind, das Denken und Vorstellen des Kunden in der Weise zu verändern, dass eine schrittweise Annäherung an das gewünschte Ziel möglich wird.Dabei wird mit kognitiven Methoden - also mit solchen, die das Wahrnehmen und Erkennen betreffen - und mit Imaginationsmethoden - also mit solchen, die die inneren Vorstellungsbilder betreffen - gearbeitet. Der Kunde soll zwischen den Terminen das Erarbeitete auch zu Hause üben und anwenden.Die Sicherung des Erfolgs wird durch mehrmaliges Überprüfen und Kontrollieren der Fortschritte im Verlaufe eines Mentalcoachings gewährleistet.

Der mentale Beratungsansatz ist für Einzelpersonen und für Gruppen geeignet; die Unterschiede der beiden Settings zeigen sich hauptsächlich in der Wahl der möglichen Coachingziele.
3. Potenziale und Möglichkeiten

Die Bandbreite der Themen und Probleme, für die sich der mentale Beratungsansatz geeignet zeigt, ist groß. Die Wirkung lässt sich an einer Vielzahl von Fällen erkennen, wo diese Beratungsmethode zur Anwendung kam:

Beispielhaft kann hier der Fall eines völlig überlasteten Textilunternehmers mit schlechter Auftragslage erwähnt werden, dessen Gedanken und Vorstellungsbilder ständig diese betrieblichen Sorgen zum Gegenstand hatten, was Dauerstress und Schlafstörungen verursachte. Im Laufe des Mentalcoaching-Prozesses konnte er üben, mehr und mehr auch anderen Gedanken und Vorstellungsbildern Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dies zeigte Wirkung in der Steigerung seines Antriebs und seiner Zuversicht. Gleichzeitig brachten ihm die ressourcenvolleren Gedanken auch Regenerationswünsche und Auftankideen. Er erkannte, dass er mit diesem neuen Mentalzustand weitaus besser für die nötige Auseinandersetzung mit seinen großen betrieblichen Sorgen gerüstet war.

Ebenso konnte beispielsweise die 35jährige Frau, die nach langjähriger Partnerschaft von ihrem Freund verlassen wurde, erkennen, dass sie sich gedanklich beinahe ausschließlich in der Partnerrolle befand, wodurch der Trennungsschmerz ständig präsent war. Sie konnte während der Coachingzeit lernen, ihren Verlust- und Trauergefühlen Raum zu geben, das bedeutet, ihnen auch Grenzen - im übertragenen Sinn mit dem, was einen Raum ausmacht: Wände, Decke und Boden - zu setzen, um damit der einseitigen Gedankenflut die "Unendlichkeit" zu nehmen. Die dadurch freigewordene Gedanken- und Vorstellungszeit konnte sie nun gewinnbringend für ihre Zukunftswünsche und Bedürfnisse einsetzen und nutzen.

Auch der Fall eines jungen Tennistalents zeigt interessante Auswirkungen eines Mentalcoachings. Die junge Dame wollte ihre Karriere beenden, zumal sie gerade bei Auslandsturnieren immer wieder einen unerklärlichen Leistungsabfall erlebte. Die Analyse zeigte, dass ihr Misserfolg nicht, wie so oft, an der mangelhaften mentalen Vorstellung ihrer Bewegungsabläufe lag, sondern ein Gefühl von Fremdheit und Verlorensein sich in ihr breit machte, sobald sie am Austragungsort der Turniere mit ihrem Team "untergebracht" wurde. Diese Gefühle wirkten dann als Konzentrations- bzw. Motivationskiller. Sie konnte im Coachingverlauf ihr "Heimat"-Empfinden in sich selbst entdecken und lernte, über eine Auswahl von Gedanken und inneren Bildern, den Kontakt zu diesem Geborgenheitsgefühl bewusst herzustellen und aufrecht zu erhalten, was sie zu ihren gewohnten Leistungen zurückfinden ließ.

Ein 17jähriger HTL-Schüler, ist ein weiteres Beispiel für die Möglichkeiten des mentalen Beratungsansatzes. Der Schüler hatte die 3. Klasse nicht geschafft und wollte die Schule abbrechen, ohne eine Idee zu haben, was er denn stattdessen tun könnte. Es stellte sich schnell heraus, dass der Schüler unter einer ausgeprägten Selbstwert- und Antriebsschwäche litt, die er ständig gedanklich unterstützte und steigerte. Nachdem ihm dies bewusst wurde, war er bereit, andere Denk- und Vorstellungsweisen zu trainieren, was ihn wieder in Kontakt mit seinen Talenten und Interessen brachte, die ihn drei Jahre zuvor genau diesen Schultyp wählen hatten lassen. Der wiedergefundene Zugang zu seiner Berufsvision stellte letztendlich die Weichen für seinen Entschluss, die 3. Klasse zu wiederholen. Zu Beginn des neuen Schuljahres buchte er eine weitere Mentalcoaching-Etappe, um seine mentale Stärke auch im rauen Schulklima halten und stabilisieren zu können. Der junge Mann studiert heute erfolgreich Maschinenbau.

Ein junger, frischbeförderter Abteilungsleiter soll noch einen letzten Aspekt der mentalen Beratungsarbeit zeigen. Die optimale Bewältigung der hohen neuen Anforderungen und ausreichend gemeinsam verbrachte Zeit mit seiner Familie waren für den jungen Mann wichtige Ziele, zu deren Erreichung er sich mental unterstützen wollte. Im folgenden Mentalcoaching entwickelte er die Fähigkeit, seine Zeitwahrnehmung zu verändern und, anstatt unter der fehlenden Quantität zu leiden, an deren Qualität zu arbeiten. Auch gedankliche Abgrenzungsrituale zwischen den verschiedenen Lebensbereichen und die Fähigkeit, sich mittels Vorstellungsbildern schnell regenerieren zu können, halfen ihm, eine intensive, aber beruflich und privat erfolgreiche Zeit in Balance zu erleben.


Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass nach einem mentalen Coaching-Prozess den Kunden grundsätzlich
mehr Bewältigungsstrategien für die Herausforderungen des Lebens,
mehr Antrieb für die persönlichen Lebensziele,
mehr Perspektiven für eine befriedigende Lebensqualität und
mehr innere Freiheit für die berufliche und private Lebensgestaltung
zur Verfügung standen.

Dies konnte auf der einen Seite durch eine Erweiterung der Denk- und Vorstellungsvariationen erreicht werden, wobei es hier nicht darum ging, vorhandene Sichtweisen zu ersetzen, sondern neue dazu zu gewinnen. Mit jeder dazu gewonnenen Sichtweise stieg die Freiheit für die persönliche Wahlmöglichkeit. Nicht das "Positive Denken" stand im Vordergrund, sondern ein den Tatsachen angepasster Umdenk-, Erweiterungs- und Lernprozess. Auf der anderen Seite spielte die erweiterte Kommunikation und Kooperation mit dem Unbewussten, dem "Sammelbecken" aller menschlichen Antriebe, Potenziale und Ressourcen, über die Bilder- und Symbolarbeit eine wesentliche Rolle für die genannten Zugewinne.

Ein Mentalcoaching kann somit einen wesentlichen Beitrag zur Selbstverwirklichung und Ganzwerdung eines Menschen leisten, ganz im Jung'schen Sinne einer Individuation. Die Kombination der beraterischen Form "Coaching" mit dem beraterischen Fokus auf die mentalen Phänomene im Menschen haben sich bereits vielfach als günstig und gewinnbringend erwiesen. So wurde manches Coaching am Ende zum "Charioting", zum "Triumphwagen fahren" für den Kunden.